Mal wieder um den See

Letztes Jahr habe ich ja zum ersten Mal am Ratzeburger Adventslauf mitgemacht, und bin bei frostigen Temperaturen, aber herrlichem Sonnenschein, einmal um den Ratzeburger See gelaufen. Das gefiel mir damals so gut, dass für mich klar war, das auch dieses Jahr zu wiederholen.

Der Lauf ist meist recht früh ausgebucht (Ende September geht nichts mehr). Ich habe in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass man es sich bei einem Lauf, bei dem man noch nicht angemeldet ist und der etwas weiter weg liegt (ca. 1h Fahrzeit), dann eben doch noch mal überlegt, ob man extra hinfährt. Gerade wenn das Wetter und die Form schlecht sind.

Die Ausrede fiel also weg, und nachdem mein Laufkumpel Lutz, den ich zur Teilnahme überredet hatte, auch keine Anstalten zeigte, den Wettkampf zu schwänzen, machten wir uns auf dem Weg nach Ratzeburg. Meine Strategie für den Lauf teilte ich Lutz auch gleich mit: „mit etwa 5:45 min./km anlaufen und bei der Hälfte dann mal sehen“. Sicherlich würden wir zu Beginn etwas schneller laufen müssen, da ich letztes Jahr zu weit hinten im Feld war und es schon zu Beginn an engen Passagen zu einigen Staus mit Totalstillstand kam. Lutz hatte keinerlei Ambitionen und somit auch kein Problem damit, sich meiner Strategie anzuschließen.

Ich war mir relativ sicher, dass ich aufgrund meines Trainingszustands die Zeit vom Vorjahr (2:24:24) nicht schaffen würde. Ich hatte unregelmäßig und unstrukturiert trainiert, und mir war klar, dass ich weder die Ausdauer noch die Tempohärte hätte, um die 26km wieder in einer Pace von 5:33 min./km laufen zu können.

Wir kamen deutlich zu früh in Ratzeburg an und hatten so genug Zeit, die Startunterlagen zu holen, diesen bekloppten Riesenchip am Schuh zu befestigen, sich etwas auf der kleinen aber feinen Messe umzusehen, und festzustellen, dass immer noch über eine Stunde Zeit war bis zum Start. Wenigstens hatten wir dadurch kein Parkplatzproblem 😉

Wir saßen also noch im Auto, fachsimpelten etwas, sprachen unsere Pläne für 2012 durch (da fiel dann auch schonmal das Wort „Trainingsmarathon“), und warteten darauf, dass die Zeit umgeht. Das Wetter hielt noch einigermaßen. Für die Mittagszeit war Regen angekündigt, aber nun war es noch trocken. Es stürmte recht stark, was man aber während des Laufs kaum merkte, da man eben doch recht viel im Wald bzw. windgeschützt läuft.

Wir gingen also mit der Maßgabe ins Rennen, auf den ersten Kilometern durchaus „etwas schneller“ anzugehen, um vor dem Pulk an den notorischen Engstellen zu sein. Sobald man, nach etwa 4-5 km aus dem Wald wieder raus kam, wollte ich dann auf den angepeilten Schnitt von 5:45 drosseln, um an der Spitze des Sees ggf. Gas zu geben und zu schauen „was geht“. Super Strategie. Sie hatte nur einen Fehler: man kommt erst nach etwa 10 km wieder aus dem Wald raus, und da hatte ich schon einen 5:25er Schnitt rausgelaufen. Lutz und ich waren immer in Reichweite und seine Nachfragen wegen des Tempos hatte ich immer abgetan mit „gleich können wir Tempo rausnehmen“ oder „gleich muss ich mal langsamer machen“ – ohne dass ich das signifikant getan hätte. Irgendwie schaffte ich es nicht, mich zurückfallen zu lassen. Das erledigte sich dann von alleine, denn ich ließ schlagartig nach.

Nachdem ich km 13 in 5:12 gelaufen war, registrierte mein Forerunner nun zwei Kilometer über 5:45, bevor ich mich im gewünschten Bereich von etwa 5:35 wieder einpendeln konnte. Die Steigung bei km 21 killte mich dann jedoch. Lutz hatte ich längst ziehen lassen müssen, und jetzt befahl mir kein Kopf: GEH EIN STÜCK! Schade, auch nach mittlerweile 2.000 Jahreskilometer habe ich noch nicht die mentale Härte entwickelt, einem solchen Befehl zu widerstehen… Also ging ich. Meine Uhr zeigte mir erbarmungslos, dass km 22 mit 7:15 weggegangen war, und das beflügelte mich wieder, doch nochmal auf die Tube zu drücken. Schneller als 5:45 wurde ich nicht mehr, aber ich lief.

Ratzeburger Adventslauf 2011
Ratzeburger Adventslauf 2011

Den letzten Kilometer gab ich dann doch nochmal alles, überholte sogar noch ein paar Leute, und als ich auf das Ziel zurannte, sah ich, dass die Uhr auf 2:26:45 stand. „Unter 2:27 muss doch zu schaffen sein“ dachte ich, und zog nochmal an. Es klappte nicht ganz: mit dem Umspringen auf 2.27:00 klatschte mein Fuß auf die Matte. Punktlandung. Auch nett. Der Regen, der mittlerweile leicht eingesetzt hatte, wurde nun stärker, und so machten wir uns nach einer stärkenden Suppe im Ziel auf den Heimweg. Im Gepäck hatte ich ein schwarzes Buff-Schlauchtuch mit Ratzeburger Adventslauf-Aufdruck, das sich zu meinem blauen Tuch aus dem Vorjahr gesellen wird. Ich habe im letzten Winter gemerkt, wie vorteilhaft diese Dinger sind. Ein schönes Geschenk!

Lutz hat es in einer guten 2:24er Zeit ins Ziel geschafft, und ist dabei etwas schneller gewesen als ich im letzten Jahr. Aber nur etwas! 😉

Alles in Allem eine prima Veranstaltung. Nächstes Jahr geht’s wieder nach Ratzeburg, zumindest habe ich das fest vor!

3 Gedanken zu „Mal wieder um den See“

    1. Ach Nicole. Genau das würde ich auch jedem raten… Dass ich nicht langsamer laufen „konnte“, war ja gerade mein Problem. Aber Laufen ist halt Kopfsache.
      Liebe Grüße
      Steffen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *