Die Heldenstaffel

Nach einigem Hin und Her, Zu- und Wiederabsagen war die Staffel „TuS Fleestedt & Friends“ endlich komplett. Wir waren doch zehn Läufer, so dass niemand zweimal starten musste. Der 100km-Lauf der LG HNF konnte kommen.

Für mich wurde es ein langer Tag, bereits um 7:50h stand ich am Start-/Zielbereich und bewunderte die 100km-Läufer, die zu dem Zeitpunkt schon etwa zwei Stunden unterwegs waren.

Die Startunterlagen waren schnell und unkompliziert abgeholt. Unser Startläufer Henry, den ich aus dem RW-Forum rekrutiert hatte, war pünktlich und so hatten wir noch etwas Zeit zu plaudern, gemeinsam einen Kaffee zu trinken und natürlich fachzusimpeln.

Punkt 9:00h wurde dann der Marathon, der 50km-Lauf, sowie die Staffelläufe angeschossen und Henry ging auf die Strecke. Mit einer Bestzeit von 52 Minuten angetreten, wollte er die 50 Minuten Grenze angreifen. Für mich hieß es erstmal warten. Die Wendepunkte lagen 2,5 km auseinander, mit Start und Ziel in etwa in der Mitte, so dass eine Runde 5 km lang war und man dabei zweimal durch den Start-Zielbogen lief. So kamen alle Läufer etwa alle 10-15 Minuten dort vorbei und man konnte sie anfeuern.

Markus, Georg und Sebastian, unsere Nummern 2-4 (und alle drei TuS-Mitglieder) trafen ein, und so wurde es nicht langweilig. Markus lief sich ein und beim ersten Wechsel gab es gleich große Freude, denn Henry hatte die 50 Minuten unterboten! Während Georg und Sebastian Markus anfeuerten, ging ich mit Henry wieder in die warme Cafeteria im Vereinshaus auf den zweiten Kaffee. Großes Gelächter dann, als Georg reinkam und erzählte, dass Markus bereits nach 5 km der Meinung war, er wäre fertig und Georg nahezu angeschrieen hatte, er solle nicht zukucken sondern er müsse laufen! Was für eine Enttäuschung bei Markus, als er dann feststellte, dass er gerade mal die Hälfte rum hatte!

Natürlich hatte sich Markus auf „seiner“ Zielgeraden ordentlich verausgabt, so dass es im sehr schwer fiel, wieder auf Tempo zu kommen und dieses auch zu halten. Am Ende wurde es auch für ihn eine Zeit von knapp unter 50 Minuten. Georg, mit 72 Jahren unser ältester Teilnehmer, mit etwa 30 Marathons aber auch mit Abstand der erfahrenste Läufer, ging mit normaler Armbanduhr und den Worten „ich lauf mal ’nen 6er Schnitt“ auf die Strecke. Nun setzte Regen ein, teilweise recht heftig, was Georg aber nicht davon abhielt, bereits nach 55 Minuten den imaginären Staffelstab an Sebastian, unseren jüngsten Teilnehmer, zu übergeben. Sebastian lief in seinem ersten Wettkampf überhaupt in strömendem Regen eine Klasse-Zeit von ca. 56 Minuten! Leider gab es keine 10km-Splits, so dass wir mittels der Gesamtzeit die Einzelzeiten ausrechnen mussten.

Der Regen sollte bis zur Siegerehrung (!) nicht mehr aufhören. Wolfgang war mittlerweile eingetroffen und ging als Fünfter ins Rennen, während Henry und die anderen leider schon wegmussten. Die Bedingungen wurden nicht besser und ich musste eine kurze Zeit alleine verbringen, bis Thomas eintraf. Wie aus dem Wasser gezogen stand er in Rennrad-Klamotten vor mir und meinte nur, er sei auf der Anreise (ca. 25 km mit dem Rad) etwas nass geworden… Ich konnte ihn noch kurz einweisen, musste mich dann aber auch schon warmlaufen, um wenig später von Wolfgang (der auch nach knapp unter 50 Minuten wieder reinkam) zu übernehmen.

Die Strecke war zwar unspektakulär (gesperrte 4-spurige Straße, bei der zwei Spuren für den Anliegerverkehr freigegeben waren), aber die wenigen Zuschauer an der Strecke waren großartig und feuerten jeden Läufer an. Ich war schnell klitschnass, was aber in der Tat beim Laufen wenig störte. Ich wollte einen Schnitt von etwa 4:50 laufen, um dann am Ende vielleicht noch etwas anzuziehen und so eine Zeit um die 48 Minuten schaffen. Ich merkte aber schnell, dass dies bei meinem aktuellen Trainingsstand und den Bedingungen nicht umzusetzen war. So versuchte ich, unter 5:00 min./km zu bleiben, was mir durchweg gelang. Dummerweise zeigte der Forerunner aber 10,2 km an, so dass ich am Ende trotz eines Schnitts von 4:52 min./km eine Zeit von ca. 49:40 lief, was ziemlich genau meiner Bestzeit entspricht, die ich ja eigentlich pulverisieren wollte.

Thomas wäre mir schon bei der Staffelübergabe fast davongerannt, ich konnte ihn gerade noch abklatschen. Danach machte Thomas das, was er einfach super gut kann: schnell rennen. Schon bei seinem Marathon Debüt in Hamburg lief er einfach eine 3:39h und hier und heute in Neugraben kam er nach etwa 44 Minuten ins Ziel! Den Rückweg trat er allerdings aufgrund des Regens mit der S-Bahn an.

Die letzten drei Läufer waren Lauftreff-Miglieder. Zunächst lief auf Svend eine Superzeit von knapp unter 50 Minuten, dann Klaus eine für ihn nicht ganz zufriedenstellende 48 und Stefan kam als Schlussläufer nach etwas mehr als 50 Minuten ins Ziel.

8:19:32h standen für uns zu Buche (womit wir in der Einzelwertung mit etwa 30 Minuten Rückstand Zweiter hinter Johannes Haßlinger geworden wären). Svend, Klaus, Stefan und ich saßen nun noch bei ein, zwei Bier zusammen und warteten gemeinsam auf die Siegerehrung. Wir hatten nur zwei Informationen: die Staffel aus Lüneburg hatte uns geschlagen, die Stolpertruppe aus Winsen hatten wir hinter uns gelassen. Mit ein bisschen Glück könnten wir es auf’s Treppchen geschafft haben.

Da es verschiedene Klassen gab, war auch nicht ganz klar, wer nun mit uns in der gleichen Klasse gelaufen war. Bei den Vereinsstaffeln wurde dann aber Lüneburg als Sieger ausgerufen und wir sahen uns alle groß an, wohlwissend, dass wir nur Minuten danach ins Ziel gekommen waren. Riesengroß war dann auch der Jubel, als André Schepanski unsere Staffel als Zweite ausrief und nachdem ich als erster die Bühne erreicht hatte, durfte ich von seinem Zwillingsbruder Mark den Pokal entgegennehmen! Vielleicht war es auch umgekehrt, und er war André…

Keiner hatte damit gerechnet, dass wir ein solches Ergebnis erreichen können, und ich bin sehr stolz auf unsere Heldenstaffel!!!

Steffen, Stefan, André oder Mark Schepanski, Svend, Klaus

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