10 Kilometer durch den Regen und auch noch dafür bezahlt

Ja, so sind sie, die Läufer. 9 Euro dafür, dass man durch den Wald hetzt, im Dauerregen, bei 8 Grad. Der 10km-Lauf im Rahmen des Straßenlaufcups der LG HNF stand an. Es gab tausend Gründe, diesen Wettkampf nicht zu laufen. Vorneweg das Wetter (es gibt akut noch eine Unwetterwarnung wegen Dauerregen und mein Grundstück kann keinen Kubikcentimeter Wasser mehr aufnehmen), dann eine schleichende Unlust, überhaupt zu laufen, das Gefühl, die angestrebten Sub 50 heute nicht drauf zu haben usw. usw. Meine Frau tippte sich zumindest gedanklich an die Stirn (sie ist ja so nett zu mir), und so ich fuhr los.

Kurz vor Erreichen des Parkplatzes machte ich im Rückspiegel ein Auto aus, dessen Kennzeichen darauf schließen ließ, dass es sich um Wolfgang, schnatzo aus dem RW-Forum, handeln musste. Dies bestätigte sich und gemeinsam machten wir uns auf den Weg zur Startnummernausgabe. Dabei bekam ich Wasser in den Schuh. Iiih. Von oben wurde ich auch nass. Aber irgendwie zeichnete sich da schon ab, dass das nicht alles an Wasser bleiben würde.

Da Start und Ziel mitten im Wald liegen (trotzdem ist die Strecke komplett asphaltiert), gab es nicht wirklich Platz für einen gemütlichen Kaffee und so verzogen wir uns kurzerhand wieder ins Auto, um die Zeit bis zum Start trocken zu überbrücken. Ich entschied mich für ein langes Shirt, Wolfgang für ein kurzes, beide mit langen Hosen. 8 Grad ist zwar besser als -5 Grad, aber Regen ist halt schon irgendwie kalt – auf Dauer. Ein bisschen Einlaufen und dann ging’s auch schon los. Beide hatten wir ja das gleiche Ziel: Sub 50. Ich hatte vor, einfach jeden Kilometer unter 5 Minuten zu laufen und dann gegen Ende evtl. noch eine Schippe draufzulegen.

Irgendwie verschoss ich mein Pulver auf der fast schnurgeraden Pendelstrecke aber schon recht früh. Die Strecke liegt in den Ausläufern der Harburger Berge, was bedeutet, dass sie eben nicht so ganz flach ist. Meine Strategie, die sich in meiner kurzen Läuferkarriere hier immer bestens bewährt hat, ist, bergauf möglichst kein Tempo rauszunehmen, und bergab schnell zu laufen, ohne sich zu sehr zu verausgaben. Das klappte relativ gut, und ich schaffte die ersten Kilometer in 4:51, 4:56, 4:50 und 4:54. Das sah doch alles ganz gut aus, auch wenn ich nach dem ersten Kilometer aussteigen wollte, weil das doch alles so anstrengend ist… Wolfgang, dessen Wettkampftaktik so aussah, dass er die ersten 5 km knapp über 5 min./lm laufen wollte und dann Gas geben, wähnte ich schon bestimmt 20-30 Sekunden hinter mir. Kilometer 5 war richtig fies. Der Asphalt geht in Kopfsteinpflaster über, die Strecke steigt leicht an. Der Wendepunkt wurde erreicht und ich war fast entsetzt: 5:16 stand da auf der Uhr. Das sollte doch gar nicht passieren! Wolfgang drehte etwa 10 Sekunden nach mir, was mich zugegebenermaßen überraschte.

Ich gab bergab wieder etwas Gas und blieb auch mit 4:50 wieder deutlich genug unter 5 Minuten. Dann folgten die beiden schlimmsten Kilometer. Ich wurde immer langsamer, die Strecke stieg scheinbar endlos an, und dann überholte mich auch noch Wolfgang. Lieber Wolfgang, nimm es mir nicht übel, aber ich habe Dich unterschätzt. Oder mich überschätzt… Er lief recht locker an mir vorbei und ich schaffte es zunächst nicht, dranzubleiben. Bergauf lief er mir immer weg, bergab kam ich wieder ran. Mit 5:10 und 5:00 waren die nächsten Kilometer zu langsam. Ich überlegte erneut auszusteigen, dachte dann aber, dass es auch Wolfgang gegenüber nicht fair wäre. Laufe ich halt in einer Zeit über 50 Minuten ins Ziel. Dann wandte ich einen Trick an, der mir auch im Winter oft geholfen hatte: ich senkte den Blick und schaute nur noch 4 oder 5 Meter vor mich. Durch den Schirm meiner Kappe konnte ich somit alle Läufer vor mir und auch die endlose Strecke ausblenden. Ich beschleunigte leicht mein Tempo auf unter 5 Minuten/km (es lebe der Forerunner), hatte aber echte Probleme, das zu halten.

Etwa 500m vor dem Ziel zog ich den Endspurt an. Es ging leicht bergauf, und ich fühlte mich auf einmal recht gut, diesen Anstieg schnell zu meistern. Ich lief an Wolfgang vorbei und feuerte ihn zum Endspurt an. Ich gab alles und rannte so schnell ich nur konnte. Die Uhr im Zieleinlauf zeigte irgendwas mit 49:xx und ich stoppte meinen Forerunner bei 49:23 (und 9,99 km!). Wolfgang kam kurz hinter mir rein und mein erster Reflex war, mich bei ihm zu entschuldigen, weil ich ihn erst kurz vor Ende überholt hatte. Ich glaube nicht, dass er sauer war. Und ja, ich gebe es zu: natürlich zog ich meine Motivation für den Endspurt auch daraus, ihn zu schlagen. Männer halt…

Fazit: 10 Kilometer ist und bleibt für mich die schlimmste Distanz. Das Tempo ist mir eigentlich zu hoch. Trotzdem: das Ziel „sub 50“ ist erreicht und somit habe ich meinen ersten Wettkampf mit einem Schnitt unter 5 Minuten für den Kilometer beendet. Meine Schuhe sehen aus „wie Sau“ und der Dreck spritze bis zum Rücken hoch. Ich war im Ziel übrigens mehr klitsch- als nur nass. Schuhe, Socken und Füße waren komplett durchnässt, das Shirt klebte mir am Bauch, die Hose fühlte sich einfach nur nass an, von der Mütze tropfte mir das Wasser. Die Beine tun jetzt auch noch ordentlich weh, aber das ist ok. Jetzt bin ich schon gespannt auf die offizielle Zeit.

10 Kilometer unter 50 Minuten und dafür nur 9 Euro ausgegeben. Eigentlich lohnt es sich, dafür durch Regen und Matsch zu rennen!

2 Gedanken zu „10 Kilometer durch den Regen und auch noch dafür bezahlt“

  1. Schöner Bericht!

    Ich hatte schon früher damit gerechnet, dass du mich wieder einkassierst! Aber du hast auf den ersten 6 Kilometern auch ganz gut den Hasen gemacht, ansonsten wäre ich wohl nicht bei sub50 gelandet. Insofern ist das nur gerecht 😉

    Gruß

    Wolfgang

  2. 10 km in unter 50 min wären mir deutlich mehr wert – die krieg‘ ich in diesem Leben für Geld nicht mehr 😉

    Herzlichen Glückwunsch zur Bestzeit!

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