Zeitreise (3) – der erste Halbmarathon

 Das Wochenende meines ersten Halbmarathons – und gleichzeitig ersten Wettkampfs – war gekommen. Natürlich war ich bereits Tage vorher aufgeregt und der Gedanke an den Wettkampf war – sagen wir mal – sehr präsent.

Wochen vorher war ich auf die glorreiche Idee gekommen, komplett auf Alkohol zu verzichten („tut ja bestimmt sowieso mal ganz gut“). Bei der Abschiedsfeier von Freunden, die nach Berlin zogen, wurde ich da schon komisch angeschaut. Meine Frau freute sich, denn sie musste wochenlang nicht fahren, wenn wir unterwegs waren…

Die Goldene Hochzeit meiner Schwiegereltern am Vortag des Wettkampfs machte mir da schon mehr Sorgen, nicht nur wegen des Alkohols (ein kleines Gläschen Sekt zum Anstoßen habe ich dann doch getrunken), sondern natürlich auch wegen des Essens. Ich habe versucht, die Veranstaltung so fettarm wie möglich durchzukriegen und habe viel Wasser getrunken. Zwischendrin fuhr ich dann noch in Anzug und Krawatte nach Hamburg, um meinen Startbeutel abzuholen.

Nach einer recht ruhigen Nacht und einer unspektakulären Anreise stand ich viel zu früh und aufgeregt am Start auf der Reeperbahn. Es nieselte leicht und ich fröstelte auch etwas. Sommer in Hamburg. Während des Laufs blieb es aber trocken und so waren die äußeren Bedingungen eigentlich ideal für einen Halbmarathon.

Ich hatte einen kleinen Zettel dabei, auf dem ich die Durchgangszeiten notiert hatte, den kramte ich bei jedem Kilometerschild wieder raus. Dabei vergaß ich völlig, auch die Zwischenzeiten „abzudrücken“. So wusste ich aber immerhin schon nach etwa 8 Kilometern, dass ich mein Ziel nicht erreichen würde. Bei km 10 hatte ich bereits 58 Minuten auf der Uhr und als ich für einen Kuss kurz bei meinen drei Lieben anhielt, war schon klar, dass es wohl eher in Richtung 2:10h gehen würde.

Die folgenden Kilometer genoss ich – möglicherweise auch gerade wegen des nun fehlenden Zeitdrucks – sehr, jeder weitere Kilometer brachte mich meinem großen Ziel, dem „Finishen“ näher. Bei km 17 hatte ich einen kleinen Einbruch, schaffte es aber, durchzulaufen. Nachdem ich Ziel 1, die Zeit, nicht schaffen würde, wollte ich zumindest Ziel 2, „durchlaufen“, erreichen. Viele andere hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon entschloesen, zu gehen. Ich nicht.

Stolz wie Oskar, und mit einem ins Gesicht gemeisselten Grinsen erreichte ich nach 2 Stunden, 8 Minuten und 2 Sekunden das Ziel. 

Aus heutiger Sicht hätte ich vor und während dieses Wettkampfs viele Fehler vermeiden können, aber manche Erfahrungen gehören wohl auch zu denen, die man machen muss. Die Erfahrung des ersten Halbmarathons ist aber eine, auf die ich nach wie vor sehr stolz bin. Dieser Tag hat auch Weichen gestellt für meine läuferische Entwicklung und meine Freude an Wettkämpfen.

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