Laufschuhe (2) – Stabil ist gar nicht so verkehrt

Ich hatte ja versprochen, noch mal meine Meinung und Erfahrung zum Thema „Stabilitätsschuhe“ zum Besten zu geben. 

 Angefangen hat alles vor etwa 10 Jahren, als ich das erste Mal bewusst Laufschuhe gekauft habe. An diesem Tag habe ich erfahren, was „Überpronation“ ist und dass ich das habe. Mir wurde aber auch klar, dass ich vermutlich nicht daran sterben würde. 

Der Schuh, der mir empfohlen wurde, war der Asics Gel Kayano (damals in Version 8), zugleich der teuerste Schuh im Laden. Bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, dass alle, die keine Ahnung haben, aber überpronieren, den Kayano „verschrieben“ bekommen. Das ist gleichzeitig oft der teuerste Schuh, was den Schluss nahelegt, dass eben auch sehr gut damit verdient wird. Klar, dass das alle Schuhverkäufer verdächtig macht. 

An dieser Stelle muss ich jedoch einmal eine Lanze für die Laufschuhverkäufer brechen. Da kommt ein völlig laufunerfahrener Mensch in den Laden, um Laufschuhe zu kaufen. Er ist noch dazu (mehr oder weniger) übergewichtig und war nicht beim Orthopäden („ich will ja nur laufen, was soll ich denn da?“). Jetzt geht dieser Mensch auf’s Laufband und die Analyse zeigt: er überproniert (oder „er proniert über“, da bin ich mir nicht so sicher…). Da zu alledem nicht sicher ist, ob dieser Mensch länger beim Laufen bleiben wird oder eben nicht, verkauft man ihm den stabilsten Schuh, den man im Laden hat: den Kayano. Damit macht man nämlich garantiert nichts falsch, denn für untrainierte überpronierende Menschen ist Stabilität wirklich wichtig. Erst später im Laufleben kommen Themen wie „Stärkung der Fußmuskulatur“ oder „weniger ist mehr“ tatsächlich zum Tragen. Läuft der Käufer nur sporadisch, wird er mit stark gestützten Schuhen vermutlich am wenigsten Probleme bekommen. 

Sei’s drum, ich bin also meine ersten Laufjahre mit dem Kayano gelaufen. Prima Schuh, hat mir nix kaputt gemacht, und „es lief“. So gut, dass ich mir einen zweiten kaufen wollte. Der Verkäufer hat mir aber davon abgeraten, zweimal den gleichen Schuh zu laufen, so dass ich einen New Balance 854 gekauft habe, der deutlich leichter, aber trotzdem stark gestützt war. Anderes Laufgefühl, wieder war ich glücklich. 

Brooks Adrenaline GTS7

 Das war gleichzeitig der Beginn meiner Laufschuhleidenschaft, die ich bis heute versuche, nicht gänzlich ausbrechen zu lassen. Nach dem völlig unnötigen Trabucco (s. a. Laufschuhe (1)) habe ich den Brooks Adrenaline GTS 7 gekauft. Diesen Schuh bin ich lange Zeit am liebsten gelaufen, es war jedoch auch der Schuh, der am schnellsten „platt“ war, daher habe ich bis heute davon abgesehen, wieder Brooks zu kaufen. Unnötig zu erwähnen, dass der Adrenaline ein gestützter Schuh ist. Mit diesen Schuhen bin ich meinen ersten Halbmarathon, was ja gleichzeitig mein erster Wettkampf war, gelaufen. Kurz vor dem Hella-HM 2010 habe ich sie in die Tonne getreten. Irgendwie macht ihn das heilig. R.I.P. 

Wer meinen Blog aufmerksam verfolgt, weiß, dass mittlerweile auch weniger bis gar nicht gestützte Schuhe besitze. An lange Läufe traue ich mich mit denen aber noch nicht heran.

Ich bin aber der Meinung, dass die Verteufelung der Stabilschuhe genauso falsch ist, wie deren Glorifizierung. Stabil ist eben gar nicht so verkehrt.

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