Gehdas hierma weida?

Ja, gehdas. Viel Pause, viel Frust, keine Wettkämpfe, aber Licht am Horizont und ein 24h-Lauf, bei dem ich nur zuschauen durfte. Das fasst in etwa die letzten knapp 2 Jahre zusammen. Ich versuche, mich kurz zu fassen:

Am 3.1.2014 hatte ich den letzten Post hier geschrieben. Danach habe ich verzweifelt versucht, irgendwie im Training zu bleiben, irgendwie schmerzfrei zu laufen, irgendwie eine Lösung zu finden, und irgendwie wieder rein zu kommen. Ergebnis: ganze 378 km bis Anfang September 2014, die meisten davon mit Schmerzen während oder nach der Läufe. Dann habe ich beschlossen, nicht mehr zu laufen. Das erste Mal seit Anfang 2010 hatte ich einen Monat ohne Lauf-km. Blöderweise ging es mir damit dann auch ganz gut, kopfmäßig. Das Knie/die Knie meldeten sich trotzdem immer wieder mal im Alltag, aber nie so, dass ich der Meinung war „jetzt muss aber was passieren“. Nach dem lauffreien Oktober kam der November, der Dezember und der Januar – allesamt lauffrei.

Im Februar dachte ich dann, ich kann mal wieder probieren. Halbherzig habe ich 6 km getestet, elend langsam, und wurde mit Knieschmerzen bestraft. Trotzdem bin ich eine Woche später wieder los, wieder Knieschmerzen. Nach drei weiteren Läufen im März mit gleichem Ergebnis habe ich das Thema wieder ad acta gelegt.April und Mai waren dann wieder komplett lauffrei (das macht in Summe 6 lauffreie Monate!).

Als ich im Juni auf der Waage die magische 85 erblickte, musste etwas geschehen. Nein, ich möchte nicht radfahren. Nein, ich kann nicht gut schwimmen. Nein, jede Ballsportart wäre für meine Knie noch tödlicher. Fitness-Studios finde ich furchtbar. Also: wie wär’s mit Laufen?

Bei Garmin Connect trägt der Lauf den Titel „mit Angst“. Ich hatte richtig Schiss, dass ich die 6 km-Hausstrecke nicht schaffe. Oder mittendrin mein Knie explodiert (was vermutlich auch dazu geführt hätte, dass ich die Strecke nicht schaffe). Gut, ich habe die 6 km geschafft. Es tat auch nichts weh. Die Zeit war grottig. Egal. Das Vorhaben lautete nun: 3x die Woche laufen, langsam steigern (10% pro Woche), bis ich wieder 10 km Läufe machen kann. Wenn ich im Training wieder in der Lage bin, 10 km Läufe schmerzfrei zu absolvieren, würde meine Laufkarriere eine zweite Chance erhalten. Dann kann auch mal wieder an Wettkämpfe denken – die halt einfach sehr viel Spaß machen. Dann kann man evtl. auch mal wieder daran denken, schneller zu laufen – aber auch nur eventuell.

Ich habe es geschafft. Ich habe mich mit der behutsamen Steigerung mittels 10%-Regel wieder auf 30 km/Woche gehievt. Einigermaßen schmerzfrei. Langsam, aber nicht zu langsam. Ich habe gemerkt, zu langsam laufen macht auch aua. Also war ich so um 6:30 min./km unterwegs. Viel langsamer als früher, aber schnell genug, um keine Schmerzen zu haben. Ich habe ebenfalls gemerkt, dass ich mich von alten Schuhen trennen musste, in denen ich immer Schmerzen hatte. Am 21. Juli 2015 war es soweit: das erste Mal seit einem Jahr wieder über 10 km, dann gleich über 12 km, und dies in einem 6:30er Schnitt. Ein 10er folgte. Im 6:00er Schnitt, weil ich so Bock drauf hatte. Zum 24h-Lauf in Fleestedt Anfang September würde ich wieder so weit fit sein, dass ich mit Spaß eine ordentliche Rundenzahl würde hinlegen können. Alles war gut.

Dann kam der Sommer.

Urlaub. Temperaturen weit über 30 Grad. Und das auf über 1000 m Höhe in Österreich. Höhenmeter soweit das Auge blickt. Und mich verließ die Lust. Der Urlaub ging rum, ohne dass ich auch nur einmal gelaufen wäre. Nach dem Urlaub war es immer noch so warm, die Motivation blieb im Keller. Jede noch so kleine Ausrede wurde dankend angenommen. Mein Kumpel Max, der mit mir den 24h-Lauf absolvieren wollte, teilte mir mit, dass er ja schlecht vorbereitet sei, und außerdem an dem Wochenende gar nicht zu Hause wäre. Prima. Motivation weiterhin im Kellergeschoss, 24h-Lauf wurde nun auch gedanklich gekickt. Ergebnis: August lauffrei…

In der Woche vor dem 24h-Lauf hörte ich dann von einigen Leuten, dass sie teilnehmen würden, nur ich war nicht dabei. Ärgerlich. Und ich war selbst Schuld. Ich hatte mir alles wieder selbst kaputtgemacht. Wenigstens wollte ich dem Lauf einen Besuch abstatten.

Das habe ich dann am Sonntag auch getan. Lutz, mein allerbester Lauffreund (siehe z.B. hier), hatte bereits 100 km auf der Uhr, und lag super im Rennen (am Ende 6. Platz insagesamt und 2. in der M40!!! Großes Kino, mein Bester!!!). Ich bin spontan mit ihm eine Runde gegangen, danach noch mit Stefan, dem Leiter des Lauftreffs und Mit-Organisator des Laufs. Nachdem der Vortag komplett regnerisch war und alles unter Wasser stand, war ich nicht so traurig, nicht dabei gewesen zu sein. Ich habe aber wieder so weit Blut geleckt, dass ich zum Beispiel heute diesen Blogpost schreibe.

Einen weiteren lauffreien Monat möchte ich nicht mehr haben. Plan: mit 3x in der Woche laufen über den Winter kommen. Dabei Grundlagen für 2016 schaffen. Dann wieder an andere Sachen denken und Wettkämpfe mitmachen. Zeitziele erstmal stecken lassen.

Der Blog soll mir auch helfen, wieder reinzukommen. Ihr kennt mich ja. Und ja, es wird wieder Kopfschütteln geben – hat es vermutlich schon. Und ja, ich werde vermutlich wieder an der ein oder anderen Stelle zu viel machen oder zu viel wollen.

Schaumermal. Erstmal gehdas weiter hier. Soll zumindest. Ach ja: ist hier noch jemand?

Ein Gedanke zu „Gehdas hierma weida?“

  1. Moin Steffen, danke für die Blumen ! Der 6. Platz insgesamt stimmt nicht so ganz, da waren ja noch ein paar Damen zwischen. 6ter Mann, 11ter Platz über alles, aber völlig egal. Es tut weh, aber ich bin super zufrieden.
    Freut mich sehr, dass es wieder aufwärts geht – und versprochen, wir laufen in diesem Jahr noch!
    Viele Grüße,
    Lutz

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