bekloppt

Eine gewisse Portion „Beklopptsein“ gehört zum Laufen dazu. Wer zwei 24h-Läufe absolviert hat, stundenlange Trainingsläufe im Dauerregen absolvierte, sich trotz allem für Marathons anmeldet und sich dazu „70 km die Woche“ Trainingspläne vornimmt, der hat schon eine mittelgroße Portion davon abbekommen.

Beruhigend dabei finde ich, dass es immer noch Beklopptere gibt. Das nehme ich auch gerne als Rechtfertigung für meine bekloppten Ideen, von denen aber keine so bekloppt ist, dass sie noch kein anderer Bekloppter in die Tat umgesetzt hätte.

Beim Sonntagsspaziergang mit der besten Ehefrau von allen kam mir nämlich eine bekloppte Idee. Wir gingen gemütlich um den „Ententeich“, ein Regenrückhaltebecken, das ein paar hundert Meter von unserem Haus liegt. Da kann man prima in einer Viertelstunde hin, drumrum und wieder zurückspazieren. Es war ein idyllischer Tag, strahlender Sonnenschein, aber mit 5 Grad durchaus frisch. Während des Spaziergangs kam mir eine (bekloppte) Idee, die ich meiner Frau gleich kundtat: „ich könnte doch eigentlich mal 20 mal um den Teich laufen.“ „Warum?“ „Weil ich’s kann.“ Protz…

Ich hatte Samstag eine langsame Einheit über 12 km absolviert und auf meinem Trainingsplan stand für den Sonntag ein Lauf über 26-29 km. Aus Zeitgründen hatte ich sowieso schon auf „etwa 20 km“ umdisponiert, und das wollte ich jetzt um den Ententeich abreißen. Wie immer bei den langen Läufen mit meinen Lieblingspodcasts auf den Ohren, wie immer mit meinem Forerunner, der mich davor bewahrt, die längeren Läufe zu schnell an-, und am Ende einzugehen.

Einen Tag zuvor hatte ich meinen iMac auf das neue Betriebssystem (OSX Mavericks) upgedatet (geupdatet), was offenbar dazu führte, dass alle Geräte, die zum Laden an den USB-Schnittstellen hingen, nicht geladen wurden. Schlimmer noch: die Akkus wurden leergesaugt. Sowohl Forerunner als auch iPod meldeten „Akku leer“. Der iPod gab nach 10 Minuten auf, der Forerunner nach 3 km, also etwa 20 Minuten. Bei beiden Geräten hatte ich gehofft, dass sie den Lauf zumindest durchhalten würden.

Bereits nach der ersten Runde hatte ich dem Forerunner jedoch entnommen, dass eine Ententeichrunde ziemlich exakt 800 m lang ist. Somit war auch nach dem Ausfall der Uhr klar, dass ich Strecke durch Rundenzählen ermitteln können würde. Für die benötigte Zeit müsste ich dann eben bei Rückkehr auf die Funkuhr im Flur schauen. Die Startzeit hatte der Forerunner ja aufgezeichnet.

Ich find also an, Runden zu drehen und zu zählen. Wer das einmal gemacht hat, weiß, dass man dabei schnell durcheinanderkommen kann. „War das jetzt Runde 15 oder kommt sie noch?“ Also fing ich an, mir die Runde vorzubeten, die ich gerade lief. Bei drei Schritten Einatmen dachte ich „fünfkommasechs“, bei drei Schritten Ausatmen „Runde sieben“, wobei das jeweils die zu beendende Runde bezeichnete. Ging ich auf die nächste Runde, hieß es dann „sechskommavier“ und „Runde acht“. Sollte ich bei einem von beiden durcheinanderkommen, würde ich das immer noch ausrechnen können. Trotzdem wäre mir das fast passiert.

Recht schnell kam mir der Gedanke, einen Halbmarathon zu laufen. 20 mal rum sind ja nur 16 km. Also 25 mal rum, macht 20 km, plus jeweils 380m Weg vom und zum Haus, macht… äääh… reicht nicht. Also 26 mal rum. Hmpf. So zählte ich also Runde um Runde, wurde von Leuten, die sich länger am Teich aufhielten („Simon! Die Enten füttern, nich ärgern!“) seltsam angekuckt, und versuchte mich zu motivieren, tatsächlich weiterzulaufen. 800-Meter-Runden sind nämlich in der Tat ganz schön eintönig. Gedanken, dann doch früher abzubrechen oder einfach doch eine andere Strecke zu laufen, wurden schnell wieder verworfen, weil ich ihn einfach laufen wollte, den Ententeichhalbmarathon.

Mein Gefühl, dass ich etwas zu schnell unterwegs war, trügte mich nicht, denn am Ende kam ich nach 2 Stunden 10 Minuten wieder zu Hause an. Mit den ausgerechneten 21,55 km war das also ein Schnitt von 6:01 min./km, etwa 15 Sekunden pro km schneller als geplant. Macht nix, schneller is nich schlimm :-)

Und weil es, wie oben beschrieben, ja immer noch bekloppter geht, habe ich mir überlegt, zu meinem 50. Geburtstag im nächsten Jahr den „Ententeichmarathon“ anzubieten. Das wäre dann 50 mal rum, plus ein bißchen Vor- und Nachgeplänkel… Erstmal bleibt das aber nur eine fixe Idee. Bekloppt halt.

4 Gedanken zu „bekloppt“

  1. Ich hoffe es stört Dich nicht… aber die Geschichte ist wirklich absolut bekloppt!

    20x 800m Ententeichrunde … für Laien mag das auf den ersten Blick verrückt und auf den zweiten „naja die Spinnen halt“ erscheinen… aber der Kenner erkennt hier die wahre Beklopptheit.

    Ich habe so einen Ententeich hier 3km entfernt. Auch beleuchtet und deswegen im Winter eine der wenigen Ausweichstrecken. Die Teichrunde ist auch 800 Meter lang … und ganz ehrlich… ich wüsste nicht was passieren müsste, damit ich da 20x freiwillig rumlaufe 😉

  2. Moin Steffen! Den Ententeichmarathon finde ich gar nicht übel, wenn das Catering stimmt. Aber das muesste zu machen sein. Wann muss man sich den Termin freihalten?

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