Rumdum klasse: der Köhlbrandbrückenlauf 2013

Eines der diesjährigen Highlights sollte der Lauf über die Köhlbrandbrücke in Hamburg werden. Diese Brücke habe ich vor Jahren kurzerhand zu meiner Lieblingsbrücke erkoren. Normalerweise ist sie für Fußgänger gesperrt; heute war sie für Läufer und Walker offen und der Schwerlastverkehr musste draußen bleiben.

Der Köhlbrandbrückenlauf fand zum dritten Mal am Tag der Deutschen Einheit statt. Die ersten beiden Ausgaben 2011 und 2012 konnte ich wegen anderweitiger Feiertagsaktivitäten nicht mitmachen, dieses Jahr hatte ich glücklicherweise Zeit.

Die Wetterprognosen hätten besser nicht sein können, hielt sich doch schon seit Tagen ein feines Hoch über Norddeutschland: blauer Himmel war für den ganzen Tag gesichert. Einzig die Temperaturen würden die 10 Grad-Marke gerade so überschreiten. Ich überlegte nicht lange und entschied mich für kurze Hose und kurzes Shirt, denn in der Sonne würde es sicherlich mit langen Ärmeln zu warm sein. Außerdem blieb mir für den Fall, dass ich frieren würde, immer noch die Option, schneller zu laufen 😉

Vorgenommen hatte ich mir, mit einem 5:20er Schnitt anzulaufen und oben auf der Brücke die Gunst der Stunde zum Sightseeing und Fotografieren zu nutzen. Die brückauf verlorene Zeit wollte ich brückab immer wieder aufholen und so irgendwie schauen, ob ich den 5:20er Schnitt ins Ziel laufen könnte.

Für einen Läufer bedeutet eine Brücke meist nichts Gutes. Die Dinger haben es an sich, Höhenmeter zu generieren. Im Falle der Köhlbrandbrücke reden wir hier von einem Start fast von Normalnull aus und einer lichten Höhe der Brücke von 53 Metern. Am Ende würden es 153 Höhenmeter auf 12 Kilometer Laufstrecke sein.

Gemeinsam mit meinem Lauftreffkumpel Ulrich nebst dessen Frau und drei Töchtern traf ich etwa 90 Minuten vor dem Start unseres Laufs ein. Da die Veranstaltung sehr beliebt ist, und insgesamt über 3.000 Starter gemeldet hatten, hatte man einfach zwei Läufe angeboten – einen um 12:00h und unseren um 15:00h. Als wir ankamen, war der Besenwagen des ersten Laufs noch nicht im Ziel. Maximal 9 Minuten pro Kilometer durfte man laufen, um nicht eingesammelt zu werden.

Startausgabe, Kleiderbeutelabgabe, Toiletten, Umkleiden und sogar eine mobile Dusche eines Duschherstellers sowie Radio- und Livemoderation zeugten davon, dass der Lauf durchaus eine gewisse Bedeutung besitzt. Die Organisation war übrigens perfekt! Großes Lob an den Veranstalter.

Es war recht frisch und so gab ich meinen Kleiderbeutel erst spät ab, und lief mich mit Ulrich etwa 10 Minuten ein. Dabei stellten wir schon fest, dass es sehr windig war, und vermutlich auf der Brücke erst recht nicht mit Windstille zu rechnen sein würde. Im Startblock wurde es langsam voll und wir positionierten uns im vorderen Drittel, wohlwissend, dass wohl auch viele „Ersttäter“ mitlaufen würden, die einem schonmal vor die Füße rennen.

Die Zeit bis zum Start wurde vom Moderator sehr kurzweilig gestaltet, das habe ich so bisher nur beim Marathon in Hamburg erlebt. Punkt 15:00h ging es dann auf die Strecke, kurz mit Ulrich abgeklatscht, und auf ging’s auf die geilste Brücke der Stadt!

In bisherigen Läufen war ich mit der Strategie „rauf beißen und runter heizen“ immer gut beraten, so dass ich nach dem ersten flachen Kilometer, der exakt in den geplanten 5:20 vorüber ging, auf dem folgenden Bergabkilometer Gas gab und ihn mit 5:03 abhakte. Die Temperaturen waren perfekt, meine Kleiderwahl ebenso. Ich fühlte mich super und lief einfach den ersten Anstieg auf die Brücke mit 5:18 und 5:21 in durchaus guten Zeiten. Der starke Rückenwind erleichterte dies merklich. Ich zückte mehrfach mein Handy, um in kleinen Filmchen festzuhalten, wie ich mich der Brückenmitte näherte. Wie ein kleines Kind freute ich mich darauf, oben Fotos zu machen. Genau das tat ich dann auch. Exakt unter dem ersten Pfeiler blieb ich nach 4,2 km stehen und fotografierte gerade nach oben. Durch den sehr starken Wind, verbunden mit dem Blick nach oben, hatte ich echte Probleme nicht umzufallen!

unter mir der Köhlbrand, über mir die gleichnamige Brücke
dieser Blick bei diesem Wetter: das geht nur beim Köhlbrandbrückenlauf!

Die ganze Sightseeing-Pause betrug nur etwa 10-15 Sekunden, dann nahm ich die Beine unter die Arme und flog die Brücke hinunter. Dabei flog mir – natürlich in einem viel schnelleren Tempo – der spätere Sieger Dennis Mehlberg auf der anderen Fahrbahnseite entgegen. Er sollte mit über 4 Minuten Vorsprung gewinnen und diesen Lauf, wie so ziemlich jeden Lauf, bei dem er dieses Jahr an den Start ging, gewinnen (unter anderem gewann er auch den Harburger Brückenlauf, bei dem er „nur“ 2 min. Vorsprung hatte). Km 5 ging trotz Pause noch in 5:05 weg, km 6 rannte ich in 4:45. Ich hatte mich jetzt entschieden, das Handy wegzupacken, den erneuten Anstieg durchzulaufen (auf dem Rückweg würde er länger, aber weniger steil sein, jedoch würde der starke Wind diesmal von vorne kommen). Am Wendepunkt gab es eine Verpflegungsstelle, die ich aber links liegen ließ. Bei 12 km Nachtanken? So’n Quatsch! Eine schöne Gelegenheit, etwa 30 Läufer zu überholen!

wer sieht nicht blöd aus, wenn er läuft?
wer sieht nicht blöd aus, wenn er läuft?

Jetzt kam der Punkt, an dem sich die Spreu vom Weizen trennte, und ich gehörte definitiv zur Weizengruppe! Reihenweise kassierte ich Läufer ein, die auf dem echt fiesen Anstieg zur Brückenmitte im Gegenwind den Kampf gegen ihren Schweinehund verloren. Hier war Ausdauer und „Biss“ gefragt, beides hatte ich vorzuweisen und hakte km 7 und 8 mit jeweils etwa 5:35 min. ab. Mich motivierte das ungemein, so dass ich nun beschloss, den Rest der Strecke wirklich Gas zu geben. Die „Brückab-Kilometer“ 9 und 10 lief ich in 4:52 und 5:07, dann folgte nochmal ein flacher km in 5:01, und den letzten Kilometer gab ich nochmal alles und lief glücklich – sowohl wegen meiner Form als auch wegen der bezwungenen Brücke über die Ziellinie. Km 12 hatte ich mit 4:42 absolviert, das war somit der schnellste Kilometer. Was sagt einem das? Da waren noch ’ne Menge Körner in mir!

Was für ein großartiger Lauf! Ich war verliebt in diese Brücke, und nun bin ich auch noch verliebt in diesen Lauf! Perfekt organisiert, super zu laufen, tolles Wetter, prima Zeit: das klingt danach, dass es nicht mein letztes Mal war!

Endzeit: 1:01:55h, Platz 129 von 369 in meiner Altersklasse.

2 Gedanken zu „Rumdum klasse: der Köhlbrandbrückenlauf 2013“

  1. Ich habe ja schon andere Berichte von dem Lauf gelesen, aber der Lauf klingt ja wirklich spektakulär – vor allem weil man da ja sonst nicht rauf kommt 😉

    Für einen halben Spaßlauf ist das aber ein ordentliches Tempo!

    VG
    Daniel

    1. Stimmt. Ich habe auch direkt vor dem Start noch gesagt, dass ich etwa einen 5:20 bis 5:30er Schnitt laufen möchte. Dann war’s aber so super und ich war so gut drauf, da sind einfach die Pferde mit mir durchgegangen 😀

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