Punktlandung

Das Hamburger Lichterfest, das letzten Freitag Abend stattfand, und bei dem halt alles irgendwie illuminiert wird (teilweise auch recht hübsch), bietet auch die Möglichkeit an drei verschiedenen Laufwettbewerben teilzunehmen. Natürlich nicht gleichzeitig…

Neben einem Staffellauf und einem 5 km-Lauf wird auch der Harburger Brückenlauf angeboten, der auf einer Distanz von 11,2 km über zwei der Süderelbbrücken führt. Ich hatte mich dafür angemeldet, weil ich endlich mal bei einem reinen Abendlauf mitmachen und gleichzeitig meinen derzeitigen Leistungsstand überprüfen wollte. Obwohl der Lauf über zwei Brücken geht, hat er keine nennenswerten Höhenmeter: etwa 17. In Worten: siebzehn. Geht.

Etwa 50 Minuten vor dem Start war ich vor Ort und sah mich mit einer etwa 80 m langen Schlange vor der Startunterlagenausgabe konfrontiert. Na toll, da ist man schon mal früher da, und dann sowas. Vermutlich würde das sicher eine halbe Stunde dauern, und danach würde man sich bei der Kleiderbeutelabgabe mit genau den gleichen Leuten wieder in genau die gleiche Schlange stellen. Ich war wirklich überrascht davon, denn der Veranstalter BMS hat durchaus Erfahrung und wesentlich größere und logistisch schwierigere Läufe wie den Alsterlauf oder den Hella Halbmarathon schon perfekt organisiert. Dass die Leute bei BMS das heute hier verkacken würden, war dann doch in der Tat höchst erstaunlich.

Aber die BMS Leute haben es wieder gezeigt, dass sie echte Spezialisten sind: es kam eine Durchsage, die Schlange sei doch recht lange mittlerweile und man habe nun zusätzliches Personal zur Ausgabe der Startunterlagen beordert, um diesen Vorgang zu beschleunigen. Praktisch im selben Moment ging es zügig weiter und kurz nach 19:00h hielt ich meine Startnummer in den Händen. Wow. BMS: Daumen hoch!

Umkleiden gab’s nicht, das war aber vorher klar. Die Kleiderbeutelabgabe klappte auch gut, und ich lief mich etwa 1o Minuten ein. Bei 16 Grad Außentemperatur hatte ich mich für kurz/kurz entschieden, was eine sehr gute Idee war.

Der Start erfolgte auf einer einzigen Fahrbahn, was bei etwa 450 Läufern zu Beginn doch recht eng war. Doch ein kleiner Kritikpunkt. Ich hatte mir vorgenommen, unter 59 Minuten zu bleiben, was bei 11,2 km einem Schnitt von etwa 5:20 min./km entspricht. Ich wusste, dass das eigentlich kein Problem darstellen dürfte, war mir aber halt nicht so wirklich sicher. Also überlegte ich mir kurzerhand, noch während ich auf den Start wartete, dass ich die ersten 4 km in 5:25 min./km angehen würde, dann 4 km in 5:15 min./km dranhängen, und die restlichen 3,2 km dann schauen würde, dass ich mir den erlaufenen Schnitt nicht wieder versaue.

Gleich nach dem Start war es echt eng, und ich schaffte nicht so recht, einen Rhythmus zu finden. Trotzdem ging der erste Kilometer mit 5:15 Minuten gut vorüber. Mein Plan passte auch weiter, auch wenn ich etwas zu schnell unterwegs war. Die ersten vier Kilometer gingen mit einem Schnitt von 5:18 min./km vorbei, wobei besonders zu erwähnen ist, dass die ersten drei km-Schilder praktisch identisch zu den Anzeigen meines Forerunners passten. Selten, dass das so passt. Das änderte sich aber auch schnell wieder.

Es wurde langsam dunkel, und teilweise war die Strecke doch schwer zu erkennen, trotz Illumination und Baustrahlern am Boden. Nach Plan zog ich nun also das Tempo an, was mir leichter fiel als vorher vermutet. Ich fühlte mich gut und konnte doch einige Läufer überholen. Witzig ist in der Tat, dass ich für die zweiten 4 km laut meiner Uhr glatte 21 Minuten benötigt habe, was also exakt meiner geplanten Pace von 5:15 min./km entsprach! Cool. Ich war also auf einem echt guten Weg, mein Ziel zu erreichen, und das LOCKER!

Ich hatte auch irgendwie Blut geleckt, einem weiteren 5:16er Kilometer folgten Kilometer 10 und 11 mit je 5:01 min. und den Schlußspurt rannte ich in einer 4:08er Pace! Ich drückte im Ziel auf meine Uhr und mir strahlte das Ergebnis entgegen: 59:02 Minuten. Wäh? Neunundfünfzignullzwo? Hä? Aber… Ich war doch… schnell! Aber… Ich kapierte es nicht. Nicht, dass ich nicht mit Lauf zufrieden gewesen wäre, ganz im Gegenteil: der war super. Aber wie konnte ich mich mit der Zielzeit so vertan haben? Die 5:20er Pace hatte ich doch locker übertroffen!? Kurzer Check: meine Uhr sagt, dass ich ein Durchschnittstempo von 5:15 min./km gelaufen bin. Häwäh? Das macht es jetzt nicht einfacher zu verstehen!

Zu Hause klärte sich das dann selbst auf: meine Rechnung, dass ein 5:20er Schnitt bei 11,2 km zu einer Endzeit von 59 Minuten recht, war schlicht und einfach FALSCH! Das ergibt nämlich 59:44. Ein 5:16er Schnitt wäre nötig gewesen. Den hatte ich zwar dann auch übertroffen, meine Uhr hatte aber 11,24 km gemessen… Entweder war die Strecke also tatsächlich länger, oder die GPS-Messung war eben um 40 Meter daneben. Egal, am Ende hatte ich das selbst gesteckte Zeitziel nur um 2 Sekunden gerissen. Wäre das ein Marathon gewesen, und ich hätte 4:00:01 statt 3:59:59 auf der Uhr: ich hätte mich geärgert. So war es doch ein prima Lauf mit einer echten Punktlandung!

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