Geburtstagsfeier mal anders

Klaus aus dem Lauftreff hatte Geburtstag. Das ist erstmal nichts Besonderes, ist es doch bei den meisten Menschen einmal im Jahr soweit. Dass man dann Freunde zu einer Feier beliebiger Größe einlädt, auch das ist nichts Besonderes. Wenn man aber Läufer ist, kommt man schonmal auf seltsame Ideen.

Klaus hatte bereits letztes Jahr zu seinem 50. Geburtstag zu einem 50 km Lauf geladen. 5 Runden ab seinem Haus, einmal um den Harburger Außenmühlenteich. Jede Runde exakt 10 km lang. Da war ich leider verhindert. 

Konsequenterweise ging es dieses Jahr über 51 km, indem am Ende einfach noch ein Kilometer drangehängt werden sollte. Damit nicht alle sofort abwinken, wurden zwei Erleichterungen eingebaut: man konnte ein.- und aussteigen, wann immer man wollte, idealerweise natürlich bei Klaus zu Hause. Da jede Runde in etwa eine Stunde dauern sollte, wären auch die Start- und Zieltermine recht gut planbar. Die zweite Erleichterung lag darin, dass man auch mit muskelbetriebenen Fortbewegungsmitteln teilnehmen durfte. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, denn es waren immer mindestens zwei Läufer und ein Fahrradfahrer auf der Runde. Klaus war von den Erleichterungen natürlich ausgenommen: er musste (und wollte) komplett durchzulaufen.

Meine dumme erste Reaktion war, Klaus zu sagen, dass ich komplett mitlaufen wollte. Hätte ich etwas mehr auf meine Trainingsleistung der letzten Monate geschaut, hätte ich wissen müssen, dass das utopisch war. Letzten Sonntag war ich das erste Mal seit Ratzeburg im November wieder über 20 km gelaufen, und hatte schon etwas zu kämpfen. Also revidierte ich meine Ansage in „30 km auf jeden Fall, dann mal sehen, wie es mir geht und evtl. noch 10 dran. Danach müssen natürlich noch 2,195 km gelaufen werden, um den Marathon voll zu kriegen.“

Es sollte sich zeigen, dass nur der erste Teil erfüllbar war. Punkt 10:00h liefen wir bei Klaus los, nur wir beide, begleitet von Klaus‘ Bruder Karsten auf dem Fahrrad. Die Vorgabe war, in etwa einen 6er Schnitt zu laufen, aber keineswegs langsamer als 6:30 min./km, um den Zeitplan nicht zu sehr durcheinander zu bringen. Wir pendelten uns bei etwa 5:50 ein. Nach ein paar Kilometern gesellte sich Andreas dazu, der mit 61 älteste Läufer an diesem Tag. Leider war er aber auch relativ schnell wieder weg, aber genau das war ja Sinn der Veranstaltung: Klaus zu Ehren irgendwie dabei sein.

Nach 59 Minuten kamen wir wieder bei Klaus an, schnell ein paar Schlucke getrunken, und weiter ging’s. Das Wetter war die ganze Zeit über ähnlich: bedeckter Himmel, 7 Grad, teilweise etwas Nieselregen, aber im Grunde eher trocken. Ideal eigentlich, bis auf den doch manchmal nervigen Wind. Irgendwas ist halt immer 😉

Auf der zweiten Runde waren wir vier Läufer, nachdem Klaus‘ Frau Beate sowie sein alter Kumpel Christoph sich dazu gesellt hatten. Christoph steht gerade am Anfang seines Marathontrainings und Beate läuft dreimal die Woche eher gemütlich und ohne Wettkampf-Ambitionen. Deshalb gab sie auch das Tempo für Runde 2 vor, am Ende ein Schnitt von 6:25 min./km, als wir nach 1:04h wieder ankamen. Mir ging es noch recht gut, ich hatte bei km 19 sicherheitshalber ein Gel genommen und spülte das Zeug jetzt mit ordentlich Wasser runter.

Auf zu Runde 3. Christoph war weiter mit von der Partie, so dass wir drei Läufer waren, dazu kamen nun aber vier Radfahrer (inkl. Karsten). Bei km 24 fingen meine Beine an, schwer zu werden, und ich wusste schon, dass ich keine vierte Runde laufen würde. Kurz darauf drückte die Leiste (Stichwort Hüftbeuger) und die Adduktoren. Mein vernachlässigtes Stabitraining machte sich bemerkbar. Bei km 27 war ich im Grunde platt und wäre ich alleine auf der Strecke gewesen, hätte ich wohl eine gaaaanz langsame Trabpause eingelegt. So riss ich mich zusammen, nahm noch ein Gel, und hoffte, dass die letzten drei Kilometer auch noch rumgehen würden. In der Tat, so war es, nach 30 km überließ ich Klaus den weiteren wartenden Läufern, und verließ den Ort des Geschehens, um später zu Kaffee, Kuchen und Bier wieder zu kommen. Klaus ist tatsächlich 51 km gelaufen, die meisten anderen waren für eine oder zwei Runden dabei.

Resumee: schön, dass ich 30 km geschafft habe, das gibt mir auch wieder Motivation für die kommenden Wochen, denn da habe ich ja noch ein paar 30er vor mir. Natürlich hätte ich den Mund im Vorfeld nicht so voll nehmen dürfen, aber versuchen kann man’s ja mal…

Ach ja: die letzte Runde ging in 1:01h (Schnitt 6:07 min./km) vorbei. Mit ein paar Extra-Metern (die Runde ist in der Tat auch mit GPS-Messung fast exakt 10 km lang) kam ich am Ende auf 30,03 Kilometer, für die ich 3 Stunden, 4 Minuten und 18 Sekunden brauchte. Ein Schnitt von 6:08 Minuten für den Kilometer. Alleine wäre ich viel langsamer gewesen, das steht fest!

Ach ja: herzlichen Glückwunsch Klaus! Zu 51 Jahren, 51 Kilometern und einer tollen Leistung!

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